Freitag der 11.11.2011

Ich reise mit euch Heute in die Vergangenheit...

es ist der frühe morgen des 10.Novembers vergangenen Jahres. Ich war hochschwanger, genauer gerade in der 40. Schwangerschaftswoche angekommen. Am Abend zuvor saß ich mit meiner Mutter in unserem Esszimmer hier in Wilmersdorf und wir haben noch genau über den Geburtsschmerz und Wehen gesprochen. Was ist, wenn die Fruchtblase platzt? Um in jedem Fall vorbereitet zu sein, haben wir ein großen Handtuch unter mein Spannbettlaken gespannt.

Hätte ich schon da gewusst, was mir in den nächsten 40 Stunden bevorsteht, wäre ich wahrscheinlich nicht so spät ins Bett gegangen :S

 Um 05:05 Uhr wurde ich nun wach, meien Unterhose war feucht, mein Sohn lag mit dem Kopf aber auch ziemlich auf der Blase, deshalb dachte ich es wäre ein Fall von kleiner Inkontinenz, aber wie sich genau zwei Stunden später herausstelle, lag ich verkehrt.

In unserer Wohnung musste dringend eine Wand zum Schlafzimmer hochgezogen werden, damit wir in Ruhe im Wohnzimmer sitzen konnten ohne dass der Kleine zwangsläufig alles mitbekommt. Der Termin stand nun also fest. 10 November 07:30 Uhr.

Ich hatte mir meinen Wecker zuvor auf 06:30 gestellt, so dass ich es noch rechtzeitig geschafft hätte in Ruhe zu duschen und zu frühstücken bevor die Handwerker kamen. Die Stunden von 05:05 Uhr bis dann, lag ich jedoch wach im Bett und habe mit meiner Handy-Stopuhr die kurzen Schmerzphasen gestoppt. Blöd, dass ich erst morgen darauf gekommen bin, dass das tatsächlich schon Wehen waren.

Wie geplant stand ich nun im Badezimmer, zog mich in aller Ruhe aus und schwupps, - Fruchtblase geplatzt! (Das das ein ekliges und komisches Gefühl ist, muss ich hier glaube ich nicht mehr verdeutlichen).

Ich hab also schnell meine Mama angerufen, damit jemand bei den Handwerkern ist, habe im Krankenhaus angerufen, um zu fragen was ich nun machen soll, meine Hebamme habe ich nicht erreicht,  und Arne hat sich auf den Weg zur Arbeit gemacht (Falls es ein Fehlalarm ist, wäre kein Urlaubstag drauf gegangen). 

08:15 - Fahrt mit dem Taxi in die Klinik

08:45 - CTG und Fruchtwasser Kontrolle

09:30 -"Sie verlassen das Krankenhaus nicht mehr ohne Kind"

12:30 - Ankunft Arne (Konnte sich auf der Arbeit eh nicht konzentrieren und wollte mir beistehen, Gott sei Dank!!!)

 

Nun lagen wir dort im Zimmer 202, hatten den TV an und starrten nur vor uns hin. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Wehen, deshalb wurde mir eine Tablette gegeben, die ich in 4 Teile teilen sollte und dann alle 30 Minuten einnehmen sollte. Joa, hab ich natürlich auch gemacht. Am Ende der Einnahme der 4. Tablette und nach Einnahme einer weiteren Tablette kamen die Wehen nun schlagartig. Auf einem Mal hatte ich alle 6 Minuten Wehen, dachte es müsste ja dann auch langsam mal losgehen. Von Aufregung keine Spur.

17:30 bis ca. 23:30 Uhr hatte ich so starke Wehen, dass mein CTG Wert in Höhe von 70 - 120 angezeigt hat. Ohne Abnahme und ohne Pausen zwischendurch musste ich also nun durch die komplette und lange Wehe atmen. Mein Mann, meien Mama und auch mein Bruder waren im Vorwehenzimmer anwesend, das alles habe ich durch die Schmerzen nicht mitbekommen.

Um 23:45 konnte ich nicht mehr, man sagte die Geburt hätte mit dem kleinen Blasensprung begonnen, sodass ich eigentlich schon seit 18 Stunden damit zu tun hatte;(

Die PDA wurde mir dann mittels Spritze in den Rücken gegeben, ohne Probleme und mit einer sofortigen Wirkung, war ich wie auf Drogen. So erschöpft, dass ich eingeschlafen bin. 

Sie haben mich in den Kreissaal geschoben (zu dem Zeitpunkt war mein Muttermund vielleicht 4,5 Zentimeter weit)- noch nicht genügend um die Geburt einzuleiten.

Alle halbe Stunde bis Stunde kamen Hebammen hinein und haben die Weite des Muttermundes kontrolliert. Um 07:00 haben wir mit einer Öffnung von 6,5 cm versucht auf natürlichem Wege meinen Sohn zu holen. Ich hatte bereits 39,5 Grad Fieber und war zittrig und am ganzen Körper verschwitzt. Die Herztöne meines Sohnes klangen nicht gut und waren sehr unregelmäßig, da die Hebammen und Ärzte jedoch keinen Anschein machten als sei es schlimm, hab ich mich darauf verlassen. Nach Abwarten einiger Presswehen, dem brutalen Abstützen zweier Hebammen auf meinem Oberkörper und dem Ziehen einer Ärztin am Köpfchen gelang es mit jedoch nicht den kleinen Frechdachs zur Welt zu bringen.

Alle im Saal waren nicht der Meinung, dass ich es schaffen könnte, weil ich zu erschöpft war. Ich hatte Angst um das Leben meines Kindes und wollte nichts weiter riskieren - deshalb entschied ich mich für den sekundären Kaiserschnitt. 

07:45 Uhr - Sie haben mich in den OP geschoben - mein Mann war nirgends zu sehen, und ich empfand nichts als Angst und Einsamkeit. Nach 15 Minuten war die Plane über meinem Bauch angebracht, die Betäubung wirkte und mein Mann wurde in dem Raum gelassen. Er hat ganz lieb meine Wangen gestreichelt. Er konnte nicht viel tun und hat aber in dem Moment nichts als das Richtige gemacht.

Um 08:00 Uhr am 11.11.11 kam Jesper auf die Welt. Ich habe ihn nicht zu Gesicht bekommen, er wurde gleich an eine Hebamme weitergegeben und wurde rausgetragen. Ich schrie meinen Mann an und sagte er soll schnell hinterher aus Sorge um Jesper. Er schrie nicht, ich habe nichts mehr gehört. Nach gefühlten Stunden kam Arne zurück und hat mir Jesper vorgestellt. Ich habe um ehrlich zu sein nichts gesehen;(

Ich habe geweint, gezittert und mir war speiübel. Ich habe sein Gesicht nicht gesehen, ich kann mir nur noch an diesen süßen Geruch erinnern. Diesen süßen und gleichzeitig bitteren Geruch - er roch bisher nie wieder so.

Ich durfte um 08:45 Uhr das erste Mal mit meinem Sohn kuscheln. Das erste Mal mein eigenes Baby im Arm halten, ein unbeschreibliches Gefühl des Glücks.

Er ist etwas so besonderes - 11.11.11 - ein Geburtsdatum welches sich alle hundert Jahre wiederholt. Ein Goldschatz echt.  

18.4.12 22:07

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